Dirndlfotografie Irmgard Brand: Die innere Schönheit zum Ausdruck bringen

Das Heimatgefühl, die vielseitigen Schnitte und Farben und natürlich das Symbol für Bayern und Österreich: Irmgard Brand liebt Dirndl. Letztes Jahr im August machte sich die gelernte Heilpraktikerin als Dirndlfotografin selbstständig. Eine Leidenschaft, die sie schon ihr ganzes Leben begleitet.

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Wie kamst du auf die Idee Dirndl zu fotografieren?
Die Idee hatte ich schon lange. Ich habe mich damals mit einem Bekannten unterhalten und ihm von meiner Leidenschaft erzählt. Dann meinte er, probiere es doch einfach mal mit Dirndlfotografie BrandIn ein paar Sekunden war der Name geboren. Ich liebe Bayern, die Bräuche, Dirndl, das Leben auf dem Land mit Bauern und Kühen und Almen. Da geht mir das Herz auf. Ich habe 25 Jahre lang nur ein paar Hundert Meter von der Wiesn entfernt gewohnt und war sehr oft dort zum Fotografieren. Ich fotografierte meist nur Wiesn-Eindrücke ohne Personen, da man hierzu deren Genehmigung braucht. Ich hätte aber am liebsten immer die Frauen im Dirndl fotografiert, weil sie einfach so schön aussahen.
Ich empfand es als schade, dass sie so toll aussahen, jede Menge Geld ausgegeben hatten für Dirndl und Zubehör, oft auch für Friseur und zum Schluß nur gegenseitige Schnappschüsse mit nach Hause nahmen.

Was gefällt dir daran?
Menschen vor meiner Kamera zu sehen, wie sie Spaß haben. Manche sind unsicher oder schüchtern. Aber mit der Zeit blühen sie richtig auf. Das ist schön zu sehen. Vor allem wenn sich Leute mit wenig Selbstbewusstsein durch meine Fotos plötzlich richtig schön finden. Das Zwischenmenschliche ist einfach etwas ganz besonderes.

DSC_1558b KopieDeine Bilder zeigen natürliche Frauen im klassischen Dirndl. Hältst du nicht viel von aufgetakelten Frauen?
Ich fotografiere jeden gerne, egal wie alt oder jung, dick oder dünn. Ich suche mir keine Models raus, sondern ich frage wer Lust hat oder die Leute melden sich bei mir. Sehr schöne Menschen kann man immer gut fotografieren, die haben diese Scheu auch meist nicht so. Aber wenn man jemanden der das nicht so gewohnt ist aus der Reserve locken kann, da freu ich mich genauso wie der Kunde.

Also wählst du deine Motive nicht nach dem Dirndl sondern nach der Person?
Genau. Die Person wählt ihr Lieblingsdirndl und dann schauen wir, wie man das Dirndl und die Person in Szene setzt. Das ist bei jedem unterschiedlich. Je nachdem ob die Leute eher still oder eher aufgeschlossen sind. Man kann nicht jede Frau in ein Getreidefeld setzen, sondern muss individuell abwägen, zu welchem Typ Frau und Dirndl das passt. Edle Dirndl passen dann nicht immer auf Heuballen oder alte Holzbänke.

Gibt es bei der Dindlfotografie spezielle Herausforderungen?
Die Kulisse ist das Wichtigste. Ich habe mal eine Frau im Marstall Zelt auf der Wiesn fotografiert, die ein hellblaues Dirndl anhatte. Das Zelt war aber rot, gelb und grün. Das war nicht sehr harmonisch. Da würde ich die Person eher dort hinbringen, wo die Farben zum Dirndl passen. Es kommt auch auf das Licht und die Logik an. Man sieht manchmal Modefotos von Dirndln auf der Alm und die Frauen haben High Heels an. Das passt einfach nicht. Keine Frau geht mit solchen Schuhen auf die Alm, weil sie im Gras stecken bleiben würde. Hohe Schuhe sind passend zum Dirndl wenn die Umgebung stimmt. Der praktische Gesichtspunkt wird oft vergessen.DSC_0281b Kopie

Du fotografierst öfter auf der Wiesn. Sind das Aufträge der Wiesnwirte oder gehst du einfach hin und schaust was dabei rauskommt?
Letztes Jahr hab ich Leute angesprochen um zu sehen, ob sie Interesse an Dirndlfotos haben. Die Idee kam sehr gut an. Vor allem Paare haben sich dafür interessiert.

DSC_0989b KopieGab es einen ausschlaggebenden Punkt, an dem du dich für die Fotografie und gegen deine Heilpraxis entschieden hast?
Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Es war eher die Nachfrage. Die Leute mochten meine Bilder, da wurde es immer mehr. Der Ort war auch ein Grund. Die Praxis war in Niederbayern, ich wollte aber nach München. Ich mag Niederbayern, aber hier habe ich mehr Kontakte und hier komme ich eher voran. Ich habe die beiden Dinge lange parallel gemacht. Patienten kommen, wenn es ihnen schlecht geht, das Leid steht im Vordergrund. Bei der Fotografie geht es immer um Freude und Kreativität. Das heißt nicht, dass mir meine Heilpraxis und die Patienten nicht am Herzen liegen. Ich wollte nur mal etwas Kreatives machen.

Was ist das Besondere am Dirndl?
Darin sieht jede Frau einfach schön aus. Es ist nicht aufgesetzt, sondern natürlich und bodenständig. Die Frau fühlt sich wohl, weil sie gut angezogen ist. Und natürlich lassen Frauen im Dirndl die Männerherzen höher schlagen.

Wo kommen dir die besten Ideen für deine Fotos?
Ich improvisiere gern. Ich treffe mich mit den Leuten vorher und manchmal haben die genaue Vorstellungen, die ich dann umsetze. Aber es kommt immer auf die Personen an und wir machen das spontan. Ich lasse mich eher von der Intuition leiten. Deshalb ist es super, wenn man schon in einer typisch bayerischen Umgebung wohnt, weil es hier einfach so viele schöne Orte gibt.

DSC_1415bBist du selbst gerne vor der Kamera?
Ich lass mich schon gern fotografieren, aber man muss halt wissen, wer einen fotografiert. Vertrauen zum Fotografen ist wichtig.

Was war dein peinlichstes Erlebnis?
Richtig peinlich war bis jetzt nichts. Auf einer Hochzeit hat mir der Pfarrer mal verboten, Fotos zu machen. Das Brautpaar hat es vorher nicht abgesprochen und ich durfte maximal fünf Fotos machen. Ich hab dann einfach mehr gemacht, der Pfarrer hat mich die ganze Zeit böse angeschaut. Und ich habe schon öfter geträumt, dass sämtliche Speicherkarten voll sind, die Kamera kaputtgeht. Zum Glück ist mir das noch nicht passiert.

Hat noch niemand ein Shooting abgebrochen?
Gott sei Dank nicht. Wenn man solche Kunden hätte, wär das richtig blöd. Das waren bisher sehr nette Menschen vor meiner Kamera. Deshalb bin ich nicht unbedingt so scharf auf diese coolen, professionellen Models, die genaue Vorstellungen haben. Ich möchte die Menschen nicht cool, sondern einfach fröhlich darstellen.

Du stehst also nicht auf verlassene Ruinen und ausgeflippte Personen?
Bei der Location bin ich sehr flexibel. Schräge Kulissen finde ich super, aber die Menschen sollten nicht so anstrengend sein. Ich bin eher ein ruhiger Mensch, keine die bei jedem Promi-Event dabei sein muss. So einen Wahnsinnsrummel brauche ich nicht. Für mich sind die Menschen einfach alle gleich im Dirndl. Mir geht es um die innere Schönheit. Wenn ich die zum strahlen bringe ist meine Aufgabe erfüllt.

Fotos (c) Irmgard Brand

Besucht Irmgard auch auf ihrer Facebook-Seite

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