Tipps beim Dirndlkauf

Günstig oder teuer,  Seide oder Baumwolle, schlicht oder aufwendig verziert, lang oder kurz: es gibt so viele Varianten beim Dirndl, da kann man schon mal den Überblick verlieren. Deshalb ist es wichtig sich ein paar Gedanken zu machen wozu ihr euer Dirndl eigentlich anziehen wollt.

Wann braucht man eigentlich ein Dirndl?

Erstens:

Ihr kommt aus einem urbayerischen, urösterreichischen oder urschweizerischen Dorf und seid praktisch im Dirndl geboren. Ihr seid also mit fünf Jahren schon mit euren Eltern im Trachten- oder Heimatverein gewesen, habt jedes Wochenende an Veranstaltungen teilgenommen und den Erwachsenen dabei zugesehen, wie sie sich in Lederhosn und Tracht ein Weißbier nach dem anderen hinter die Birne gekippt haben. Fazit: ihr braucht kein Dirndl mehr, weil ihr schon an die zehn Stück im Schrank habt und noch fünf Weitere von Oma und Tante vererbt werden.

Zweitens:

Ihr kommt aus einem urbayerischen, urösterreichischen oder urschweizerischen Dorf und seid trotzdem nicht im Dirndl geboren, weil eure Eltern euch nicht in den Trachtenverein stecken wollten, denn da wird sowieso nur „gsuffn“. Also habt ihr anfangs nie ein richtiges Dirndl besessen, von einer hochwertigen regionalen Tracht konntet ihr nur träumen. Stattdessen hat euch Mama in ein beiges Leinenkleid gesteckt und euch gepredigt, dass ihr darin genau so toll aussehen würdet wie die Mädchen in richtiger Tracht. Währenddessen haben sich eure Klassenkameraden bei der Kommunion in ihren tollen Dirndl und Trachten vor lauter Schönheit übertoffen und ihr habt euch in eurem Leinendirndl eine Falltür gewünscht, die jetzt verdammt nochmal sofort aufgehen soll. „Wei im Dorf ziagt ma hoid a moi a gscheide Tracht o.“

Drittens:

Ihr kommt aus der Stadt und wollt „auch mal so ein Dirndl“ anziehen. Was das genau bedeutet, wie viel es wirklich kosten sollte und wann ihr das anzieht wisst ihr eigentlich gar nicht. Vielleicht mal zum Oktoberfest, da braucht man so was ja. Ihr geht also in irgendeinen Laden oder bestellt euer Dirndl im Internet. Dazu holt ihr euch eine schlichte Bluse und eine Strumpfhose für 99 Cent im Müller. Fertig, ihr habt versagt. Und nur weil ihr in einem Dirndl steckt seid ihr noch lange nicht traditionell.

Viertens:

Ernsthaft, ihr wollt unbedingt ein Dirndl, nicht weil es alle haben (ja, ok vielleicht ein bisschen), sondern weil ihr es einfach schön an euch findet, es eine tolle Figur macht und ihr endlich mal etwas Festliches neben dem kleinen Schwarzen haben wollt. Ihr habt aber keine Ahnung wo ihr suchen sollt, die Hochwertigen kosten nämlich so viel wie zwei Monatsgehälter. Deshalb habt ihr auf jemanden gewartet der euch sagt wie ihr die ganze Sache angehen sollt. Ihr wisst also schon mal, dass ein Drindl kein Faschingskostüm und auch keine Mischung aus Schneewittchen und Pornodarstellerin ist, mit dem ihr höchstens bei betrunkenen Australiern auf der Wiesn Eindruck schinden könnt. Gratulation, ihr habt die erste Hürde geschafft.

Schlichtes Dirndl, aufwendige Schürze

zalando german princess detailansicht rücken

German Princess Dirndl aus einem meiner ersten Blogbeiträge

Die Regel an die ich mich (fast) immer halte: Weniger ist mehr. Ja, klingt im ersten Moment langweilig, ist aber vielleicht gar keine schlechte Basis. Schlicht bedeutet ja nicht gleich einfarbig und beige. Bei Volksfesten wie Kirchweihen oder auch dem Maibaumaufstellen muss man zumindest die richtige Mischung aus Tradition und Moderne finden. Mit zu kurz geschnittenen Dirndln in knallpink oder knallgrün werdet ihr eher zum Lacher als zur ernsthaft gut gekleideten Frau. Am besten eignen sich Midi Dirndl in frischen, kräftigen Farben wie dunkelgrün, hellblau, altrosa oder auch rot. Der Stoff kann dabei kariert, einfarbig oder auch mit traditionellen Mustern verziert sein. Dazu passt eine Schürze die farblich und auch mit den Verzierungen am Dirndl harmoniert. Ihr solltet keinen aufwendig verzierten Dirndl-Stoff mit einer karierten Schürze kombinieren. Bei festlichen Anlässen sind Schürzen aus glänzendem Stoff oder gar Seide ein gute Wahl. Beim Mieder mag ich total gerne dezente Verzierungen aus Samt oder Spitze wie im Bild rechts. Mit einem schlichten Dirndl habt ihr zudem viele Kombinationsmöglichkeiten. Ihr könnt immer wieder Schürzen dazukaufen und müsst euch nicht für jeden Anlass gleich ein komplett neues Outfit kaufen.

Von mehreren Verkäufern beraten lassen

Jeder Verkäufer will seine Dirndl an die Frau bringen und jeder preist seine Produkte als die besten an. In einem guten Dirndl-Geschäft geht man auf eure Wünsche ein und sagt auch mal ehrlich wenn euch etwas nicht steht. Die ehrlichen Leute findet ihr erfahrungsgemäß direkt auf dem Dorf oder in kleinen Läden in der Stadt. Da nicht jeder (auch ich) übermäßig viel Geld für so ein Dirndl ausgeben kann beschränke ich mich auf die kleinen Läden auf dem Dorf. Ich würde einfach 2-3 Läden ansteuern und einige Modelle durchprobieren. Das ist immer leichter als sich etwas im Internet ohne fachkundige Beratung zu bestellen. Außerdem habt ihr den Vorteil, dass ihr euch euer Dirndl kostengünstig umnähen und anpassen lassen könnt.

Nicht gleich das Erste kaufen

Klar, manchmal findet man gleich beim ersten Mal das Wunsch-Dirndl. Aber in der Regel sollte man schon mehrere Modelle anprobieren und dann in Ruhe entscheiden. Ich kenne keine Geschäft in dem man sich sein Dirndl nicht zur Auswahl mitnehmen oder es wenigstens ein paar Tage zurücklegen lassen kann. Daran erkennt ihr auch gleich einen guten Laden. Ein weiterer Vorteil wenn ihr es nicht gleich kauft: ihr seht es vielleicht günstger in einem anderen Laden und könnt dann nochmal verhandeln oder euch vielleicht die Näharbeiten erstatten lassen.

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Svenja Jander

Nicht das Billigste kaufen

Das Gefühl ein Schnäppchen gemacht zu haben ist fast wie ein kleiner Lottogewinn. Beim Dirndl kann das aber schnell nach hinten losgehen. Sind die Nähte schlecht verarbeitet oder sitzen die Knöpfe sehr locker, solltet ihr gleich die Finger davon lassen. Im ersten Moment fühlt man sich gut, nach einigen Monaten bekommt man aber die Quittung für seinen Geiz. Also lieber einmal mehr Geld ausgeben als sich danach zu ärgern. Außerdem schwitzt man in billigen Stoffen sehr schnell und das kann richtig unangenehm werden.

Nicht nach Trends gehen

Trends sind längst nicht das was einem wirklich steht. Derzeit sind hochgeschlossene Dirndl und Blusen sehr modern. Ich hätte auch gerne so eines, finde aber immer dass sie an sehr schlanken Mädels besser aussehen als an mir. Einfach das nehmen was gefällt, bequem sitzt und vor allem nicht einschränkt. Nach einem üppigen Drei-Gänge-Menü darf das Mieder schon etwas spannen, fühlt man sich aber total unwohl, lieber umtauschen oder umnähen lassen.

Auf sein Gefühl hören

Der Stoff ist aber so toll, es sieht doch so schön aus. Diese Gedanken kennen wir nur zu gut. Wir kaufen und ziehen es danach nicht mehr an. Das mag bei einem T-Shirt nicht so schlimm sein. Ein Dirndl kauft man aber nicht wie ein T-Shirt und wenn man es anzieht sollte man sich wohlfühlen und nicht jedes Mal froh sein, wenn man wieder zurück in die Jogginghose schlüpfen kann. Lauft im Dirndl rum, bewegt euch, nehmt es zur Probe mit. Dann entscheidet ihr ob es das richtige Modell ist, nicht innerhalb von fünf Minuten im Laden.

Nicht zu kurz kaufen

Ihr müsst euch bücken, darin tanzen, darauf sitzen. Das kann man nicht (wenn man ernst genommen werden will), wenn euer Hintern unterm Rock hervorblitzt oder ihr mit eurem Hinterteil auf der Bierbank kleben bleibt weil der Stoff zu kurz ist. Zu kurze Dirndl sind peinlich und zeugen entweder von Unwissenheit oder werden von Leuten mit zu viel Selbstbewusstein getragen. Ihr solltet die Länge eures Dirndls immer an eure Figur anpassen. Midi-Dirndl, die knapp unter dem Knie enden, umschmeicheln eure Beine, zeigen aber nicht zu viel Haut. Lange Dirndl sind vor allem im Winter angenehm und werden auf festlichen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen oder auch Beerdigungen getragen. Mit der goldenen Mitte seid ihr also auf der sicheren Seite.

Extratipp

Vergewissert euch zuerst, ob nicht doch noch irgendwo im Schrank von eurer Oma oder Tante ein altes Dirndl hängt, das nicht mehr getragen wird. Diese haben noch richtig hochwertige Stoffe weil sie überwiegend von Hand gefertigt wurden. Für diese Qualität muss man heute mehrere 100 Euro ausgeben. Wenn ihr fündig geworden seid, dann probiert das Dirndl an und überlegt euch was man daran ändern kann. Ein Schneider kann euch das Kleid enger oder weiter machen und so die Form perfekt an euch anpassen. Hochgeschnittene Dirndl sind wieder total im Kommen, man muss also nicht gleich das Dekolleté ausschneiden lassen. In dem Fall gilt das Sprichwort weniger ist mehr nicht immer 🙂

PS: Manche Sachen in dem Text nicht persönlich nehmen, ich spreche lediglich aus eigener Erfahrung 🙂

In einem meiner früheren Beiträge findet ihr einige Läden mit ganz tollen Dirndln https://evasdirndlblog.wordpress.com/2014/09/10/last-minte-dirndl-10-tage-bis-zur-wiesn/

 

 

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